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Daniel Fernández, Präsident des Verbands der spanischen Verlegergilden

„Wir müssen weiter daran arbeiten, das Buch und das Lesen in den Mittelpunkt des kulturellen und sozialen Lebens unseres Landes zu stellen“

Daniel Fernández (Barcelona, 1961) ist der neue Präsident des Spanischen Verbands der Verlegergilden (FGEE). Nach einem Leben, das er dem Buch gewidmet hat, wird er sich in seinem Posten dafür einsetzen, dass der Verlagssektor „die wichtigste spanische Kulturindustrie und eine der wichtigsten der Welt bleibt“. Außerdem wird er sich auf den Schutz des geistigen Eigentums und die Förderung des Lesens konzentrieren. Wir sprachen mit ihm über diese Herausforderungen und die Zukunft des Buches. 

Dies ist das zweite Mal, dass Sie dieses Amt übernehmen, das erste Mal war es zwischen 2015 und 2019. Warum tun Sie es wieder?

Ich habe in einem Interview scherzhaft gesagt, dass es vielleicht auf eine kleine Leichtfertigkeit zurückzuführen ist. Aber diese Ausrede gilt nicht mehr, wenn es sich um einen Rückfall handelt. Die Wahrheit ist, dass ich mich seit einigen Jahren in der Bewegung der Verlegerverbände engagiere, weil ich glaube, dass wir uns in einer Zeit befinden, in der wir uns wichtigen Herausforderungen stellen müssen: Es gibt einen Angriff auf das geistige Eigentum und das Urheberrecht, eines der großen Vermächtnisse der Französischen Revolution. Und natürlich zählt auch sehr viel, und ich bin sehr dankbar dafür, dass meine Verlegerkollegen mich wieder als ihren Präsidenten haben wollen…

Haben sich die Bedürfnisse der Verleger im Laufe dieser Jahre verändert?  

In Wirklichkeit sind nicht so viele Jahre vergangen, es ist nur drei Jahre her, und die Verhältnisse haben sich nicht so stark verändert. Die Herausforderungen, die wir damals hatten, sind immer noch da. Wir müssen weiter daran arbeiten, das Buch und das Lesen in den Mittelpunkt des kulturellen und sozialen Lebens unseres Landes zu stellen. Die am weitesten entwickelten Gesellschaften sind diejenigen, die sich auf Bücher und das Lesen als Hilfsmittel stützen. Jetzt, wo wir vor der Überwindung einer Krise stehen, die zunächst wirtschaftlicher, dann gesundheitlicher und freilich immer auch sozialer Natur war, können sie uns helfen, uns so zu schulen, dass diese Erholung viel schneller und dauerhafter verläuft. Darüber hinaus müssen wir in einer Zeit, in der die digitale Entwicklung in allen Bereichen unseres Lebens gegenwärtig ist, weiterhin die Schöpfung und das geistige Eigentum schützen.

Wie steht es um den Gesundheitszustand der Verlagswelt?

Betrachtet man die Zahlen sowohl für den inländischen Buchhandel als auch für die Lesegewohnheiten, könnte man sagen, dass es dem Sektor gut geht. Lesen war eine Tätigkeit, die den Spaniern geholfen hat, die schwierigsten Phasen der Pandemie zu überstehen, wie im Falle des Lockdowns. Und den Daten nach, die wir gesammelt haben, hat sie uns auch danach weiterhin begleitet. Der Bücherverkauf, abgesehen von den Schulbüchern, bei denen die Situation anders ist, war sowohl 2020 als auch 2021 positiv. Der Verlagssektor ist die Branche, die am meisten zum kulturellen BIP Spaniens beiträgt, mit einer sehr bedeutenden Präsenz im Ausland, wo wir nicht nur Bücher exportieren, sondern auch über zahlreiche Tochtergesellschaften verfügen, insbesonders in Lateinamerika.

Was sind Ihre wichtigsten Herausforderungen und Ziele für diese neue Amtszeit?

Unser Ziel ist es, alle politischen Parteien, öffentliche Verwaltungen und kulturelle und soziale Organisationen im Sozialpakt für das Lesen zusammenzubringen, den wir von der FGEE aus fördern. Diese Vereinbarung zu treffen ist notwendig, damit sich die Öffentlichkeit ein Bild von der wichtigen Rolle machen kann, die diese Tätigkeit nicht nur bezüglich der Kultur des Landes, sondern auch als Bestandteil des wirtschaftlichen Antriebes und der Entwicklung unserer Gesellschaft spielt. Es ist wichtig, dass dieser Pakt über eine Legislaturperiode hinausgeht und die Verpflichtung der gesamten Gesellschaft einbezieht.

Wir müssen auch die Mittel für den Aufschwung und die Widerstandsfähigkeit nutzen, um die Modernisierung und Digitalisierung des Sektors als Hebel für die Entwicklung unserer Tätigkeit zu stärken. Es ist wichtig, daran zu erinnern, dass das Verlagswesen die führende Kulturindustrie ist, und wir müssen daran arbeiten, diese Position als ein Element zu nutzen, das auch zur Erholung unseres Landes beiträgt. Ein weiterer Pfeiler wird der Schutz der Kreativität und des geistigen Eigentums sowohl im spanischen, wie im europäischen und globalen Rahmen sein. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass die Rolle und der Wert der Tätigkeiten von Autoren und Verlegern in den neuen Szenarien, die sich abzeichnen, anerkannt werden. Zum Schluss müssen wir die Internationalisierung der spanischen Verlage weiter vorantreiben. Wir müssen weiter daran arbeiten, das Buch und das Lesen in den Mittelpunkt des kulturellen und sozialen Lebens unseres Landes zu stellen.

Sie haben bereits angekündigt, dass einer der Pfeiler Ihrer Amtszeit der „Schutz der Schöpfung und des geistigen Eigentums im spanischen, europäischen und globalen Rahmen“ sein wird. Wie wollen Sie dies erreichen?  

Es handelt sich um ein sehr komplexes Thema, da das europäische Urheberrecht, im Gegensatz zum angelsächsischen Modell, auf dem Spiel steht. Das Verlagswesen ist die große europäische Kulturindustrie. Wir brauchen EU-Richtlinien, die nicht der falschen Modernität des Internets erliegen und die das Recht aller Urheber auf Vergütung regeln und verteidigen. Die Privatsphäre, die künstlerische und unternehmerische Freiheit und sogar die Fähigkeit, eine kritische, aber verantwortungsvolle Gesellschaft zu gestalten, sind Faktoren die auf dem Spiel stehen.

Welche Rolle spielen die Verleger im neuen Plan zur Leseförderung 2021-2024, des Ministeriums für Kultur und Sport?  

Im Grunde sind wir Anbieter von Inhalten, wie man heute sagt. Aber wir sind auch rechtlich dafür verantwortlich, dass das, was wir auf den Markt bringen, originell und vollständig ist, den Autor, der sein Schöpfer ist, respektiert und in der Lage ist, einen Leser zufrieden zu stellen, der in einer Gesellschaft lebt, die wir mit Bescheidenheit, aber auch mit Beharrlichkeit in mehr als einer Hinsicht zu verbessern versuchen.

Eine der Herausforderungen dieses Plans besteht darin, dem Lesen Ansehen zu verschaffen. Und es stellt sich die Frage: „Warum lesen?” Es gibt ausreichend Argumente, um diese Frage zu beantworten, aber wenn Sie nur eines nennen müssten, welches wäre das?    

Dass Lesen immer noch die beste und angenehmste Art ist, ein anderes Leben zu führen und sich nicht auf unser kurzes und armes sinnliches Dasein zu beschränken. Lesen heißt, mehr zu leben.

Das Buch ist die wichtigste Kulturindustrie Spaniens. Sie erwirtschaftet einen Jahresumsatz von mehr als 3.000 Millionen Euro und beschäftigt direkt und indirekt mehr als 30.000 Menschen. Wo kann die Branche weiter wachsen?

Wenn wir die Zahlen zu den Lesegewohnheiten analysieren, stellen wir fest, dass immer noch ein Drittel der Bevölkerung nie oder kaum liest. Das ist eine sehr hohe Zahl und liegt unter dem europäischen Durchschnitt. Das zeigt, dass es uns immer noch gelingen kann, eine gute Anzahl von Menschen für unsere Bücher zu gewinnen. Darüber hinaus ist Spanisch die am zweithäufigsten gesprochene Sprache der Welt, sowohl als Erst- als auch als Zweitsprache, und dies eröffnet einen potenziellen Markt, den wir weiter erforschen müssen. Deshalb sind wir auch weiterhin bestrebt, die Internationalisierung und den Export voranzutreiben.

Wie sehen Sie die digitale Zukunft?

Die Digitalisierung ist etwas, das in unserem Leben und in all unseren Aktivitäten immer präsenter wird. Im Verlagswesen müssen wir das auf unterschiedliche Weise angehen. Zum einen geht es um das digitale Buch, ein Format, an dem wir seit mehr als einem Jahrzehnt arbeiten und das sich auf einem hohen Entwicklungsstand befindet. Viele unserer neuen Titel und ein großer Teil unseres Katalogs sind bereits digitalisiert. Aber wir müssen uns auch mit der Digitalisierung in anderen Bereichen unserer Tätigkeit befassen: beim Druck und Vertrieb unserer Bücher, bei der Werbung für unsere Bücher, beim direkten Kontakt, den wir dank digitaler Werkzeuge mit Autoren und Lesern haben können. Die neuen Technologien verändern die Art und Weise, wie wir veröffentlichen und Leser erreichen.

Was bedeutet es für die Branche, dass Spanien Ehrengast der Frankfurter Buchmesse ist?      

Es ist eine einmalige Gelegenheit, die kreativen Fähigkeiten unserer Autoren sowie die Qualität und Vielfalt des spanischen Verlagswesens zu präsentieren.

Bibliodiversität ist nach der Definition der International Alliance of Independent Publishers „kulturelle Vielfalt, angewandt auf die Welt der Bücher, d.h. die notwendige Vielfalt der Verlagsproduktionen, die den Lesern zur Verfügung stehen“. Wie vielfältig ist der Buchsektor in Spanien?

Wenn wir über das spanische Verlagswesen sprechen, ist eines der Merkmale, die wir gewöhnlich hervorheben, gerade diese Bibliodiversität der Buchbranche. In unserem Sektor gibt es mehr als tausend Verlage. Neben den großen Konzernen bestheht eine sehr hohe Anzahl kleiner und mittlerer Verlage, die nicht nur eine breite Vielfalt an Titeln, sondern auch an Genres veröffentlichen. Wir müssen beachten, dass viele dieser Verlage hoch spezialisiert sind und ein Qualitätsniveau erreicht haben, das sie weltweit anekannt macht.

Wie sieht das Engagement der Verleger für die Agenda 2030 aus?  

Eine klare und uneingeschränkte Verpflichtung. Denken wir an das Ziel 4 für nachhaltige Entwicklung, Hochwertige Bildung, oder an das Ziel 10, Abbau von Ungleichheiten. Eine der Möglichkeiten, diese Ziele zu erreichen, besteht darin, der Bevölkerung Zugang zu Hilfsmitteln wie Büchern zu verschaffen, die zum Lernen beitragen und dazu, dass jeder Mensch oder jede Gesellschaft in der Lage ist, sich selbst zu bilden, um ihre Entwicklung zu erreichen. Wir Verleger setzen uns dafür ein, dass Wissen, unterschiedliche Meinungen, Forschung und schriftliches Schaffen leichter die gesamte Bevölkerung erreichen.

Daniel Fernández hat einen Abschluss in spanischer Philologie von der Universidad Autónoma de Barcelona, ein Diplom in Kulturbetriebswirtschaft von der ESADE und eine Graduate School of Public Administration von der NYU. Er war Direktor der Zeitschrift Saber und der katalanischen Zeitschrift L’Avenç sowie Generaldirektor von Ediciones Grijalbo und literarischer Direktor der Grijalbo-Mondadori-Gruppe. Derzeit ist er Herausgeber und Leiter von EDHASA (Editora y Distribuidora Hispano Americana, S.A.) sowie von Castalia und leitet Ediciones Prensa Libre. 

Die FGEE ist ein 1978 gegründeter Verband, der die allgemeinen Interessen des Verlagswesens vertritt und verteidigt. Sie vertritt derzeit die Gilden von Madrid, Katalonien, dem Baskenland, Andalusien, Galicien, Valencia und Kastilien und León sowie den Nationalen Verband der Verleger von Büchern und Lehrmitteln (ANELE) und den Verband der Verleger in katalanischer Sprache (AELLEC).

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