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Interview Marifé Boix García

Ehrengast der Frankfurter Buchmesse zu sein, ist ein Ansporn, die Förderung der Übersetzung spanischer Bücher zu verstärken“

Die Spanierin Marifé Boix García ist Vizepräsidentin für Südeuropa und Lateinamerika der Frankfurter Buchmesse GmbH. Sie leitet unter anderem die geschäftliche und strategische Entwicklung und ist für das Fellowship-Programm und das Einladungsprogramm der Buchmesse verantwortlich. Sie erzählt uns in diesem Interview, was es bedeutet, Ehrengast zu sein und wie sich diese internationale Veranstaltung in den letzten Jahren verändert hat.

In Spanien richten sich die meisten Buchmessen an die Endverbraucher, nicht an den Verlagssektor. Wir in Spanien schauen deshalb auf die Frankfurter Buchmesse, ohne genau zu wissen, wie wir sie definieren sollen. Wie würden Sie die Messe beschreiben?

Bei der Frankfurter Buchmesse sind drei Tage dem Fachpublikum gewidmet, das anschließende Wochenende dem allgemeinen Publikum. Weil die Messe sehr groß ist, teilen wir die Aussteller:innen nach Regionen und in einigen Fällen auch nach Themen auf, indem wir zum Beispiel große Bereiche für Kinderbücher, Bildung, Gastronomie, Tourismus usw. schaffen. In diesen Bereichen gibt es normalerweise Räume, in denen Präsentationen oder, im Falle der Gastronomie, kulinarische Verkostungen stattfinden.

Bei der letzten Messe vor der Pandemie hatten wir etwa 7.000 Aussteller:innen aus mehr als 100 Ländern, was die Vielfalt und Größe der Veranstaltung verdeutlicht. Normalerweise kommen etwa 10.000 Medienvertreter und etwa 280.000 Besucher.

Das Hauptaugenmerk der Messe liegt auf dem Verkauf von Übersetzungsrechten in andere Sprachen und der Veröffentlichung von Büchern in anderen Ländern. Dies wird hauptsächlich über das Literary Agents‘ Centre abgewickelt, wo die Zahl der teilnehmenden Agenturen von Jahr zu Jahr wächst. Im Jahr 2019 nahmen mehr als 700 Literaturagent:innen teil. Und es geht natürlich darum, ihre Netzwerke aktiv zu halten und weiterhin neue Kontakte und Entdeckungen zu machen. 

Frankfurt ist aber auch eine Messe, auf der Trends in der Verlagswelt vorgestellt werden, seien es Themen wie künstliche Intelligenz oder Audio.

Inwieweit beeinflusst das, was auf der Messe vereinbart wird, den Verlagsmarkt?

Ich bin sicher, dass früher die meisten Verträge auf der Frankfurter Buchmesse unterzeichnet wurden. Aber wir alle wissen, dass jetzt, da wir unsere Smartphones zur Hand haben, alle Arten von Kommunikation jederzeit und an jedem Ort möglich sind, d.h. Verträge können auch zu anderen Zeiten unterzeichnet werden. Aber das Treffen, die Präsentation des neuen Buches oder Manuskripts vor so vielen verschiedenen Verleger:innen oder Agent:innen aus verschiedenen Ländern ist auf kaum einer anderen Messe möglich. Das Feedback der Fachleute, die im Rahmen der Pandemie in Frankfurt teilgenommen haben, war in der Tat, dass sie das physische Treffen und den Austausch brauchen, um besser Geschäfte machen zu können.

Was sind die großen Highlights der Messe, die das Publikum unbedingt sehen muss?

Im Kongresszentrum findet eine literarische Gala statt, an der international bekannte Schriftsteller:innen wie Margaret Atwood oder Ken Follet teilnehmen. Seit einigen Jahren beherbergt der Frankfurter Pavillon, der nur während der Messe aufgebaut wird, auch internationale Autor:innen während der ganzen Messewoche. Aus Lateinamerika haben zum Beispiel so bekannte Namen wie Leonardo Padura, Gabriela Cabezón Cámara, Pilar Quintana oder Maria José Ferrada teilgenommen. Wir haben ein politisch-literarisches Forum – den sogenannten Weltempfang – wo Schriftsteller:innen wie Almudena Grandes, Héctor Abad Faciolince und Sergio Ramírez gesprochen haben.

Wie hat sich das Angebot für die Besucher:innen in den letzten fünf Jahren verändert?

Vor fünf Jahren haben wir den ARTS+ Raum geschaffen, einen Bereich, der Begegnungen zwischen Fachleuten aus verschiedenen Kultur- und Kreativindustrien fördern soll. In diesem Raum stellen Museen ihre Digitalisierungsprojekte vor, es gibt runde Tische und Treffen mit Film- und Fernsehproduzenten, usw. Im Jahr 2021 nahm die Stadt Valencia als Weltdesignhauptstadt teil. 

Wir haben gesehen, dass das Interesse der Besucher:innen am sogenannten Cosplay wächst. Deshalb findet während der Messe normalerweise eine Cosplay-Meisterschaft statt, zu der die Besucher:innen als ihre Lieblingsfiguren aus Büchern verkleidet kommen.

Eine wichtige Neuerung vor allem für deutsche Verleger:innen, ist, dass wir jetzt den Verkauf von Büchern am Wochenende ermöglichen. Das war vorher von unserem Verleger- und Buchhändlerverband bislang nicht erlaubt, um die lokalen und regionalen Buchhandlungen zu schützen.

Erwähnenswert ist auch die Entwicklung des BOOKFESTES, das unzählige Aktivitäten in verschiedenen Einrichtungen in und um die Stadt zusammenführt, seien es Museen, Restaurants, Literaturhäuser, Buchhandlungen, Bibliotheken, Cafés, Kinos, Theater usw. Die letzte Ausgabe der Messe fand mitten in der Pandemie statt und wir haben jede Art von Ballung in unserem Raum vermieden. Aus diesem Grund wurden die Aktivitäten, die sich an die breite Öffentlichkeit richteten, fast ausschließlich im Rahmen des BOOKFESTs durchgeführt, wo die Institutionen den Zugang der Besucher:innen kontrollieren konnten.

Seit Beginn der Corona-Pandemie ist die Digitalisierung in aller M. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung und welche Möglichkeiten sehen Sie in Zukunft?

Die Frankfurter Buchmesse ist die größte Industriemesse der Welt. Daher wollten wir auch 2020 mit einem digitalen Konzept den Fachleuten die gleiche Sichtbarkeit und die gleichen Geschäftsmöglichkeiten bieten, die sie auch bei einer persönlichen Teilnahme hätten. Daher war und ist die Herausforderung, so viele Geschäftstools wie möglich in die virtuelle Sphäre zu übertragen, um die Bedürfnisse unserer Kunden zu erfüllen. Gleichzeitig sind wir uns darüber im Klaren, dass wir die physische Messe nicht ersetzen wollen, aber wir wollen eine digitale Ergänzung anbieten.

Wir haben eine Plattform für den Kauf und Verkauf von Rechten, Frankfurt Rights, angepasst, auf der Aussteller:innen ihre Titel hochladen konnten, und wir haben sie mit dem (digitalen) Ausstellerverzeichnis der Messe verbunden. So konnten Bücher auch ohne das Literary Agents‘ Centre sichtbar gemacht und an Rechten gearbeitet werden. Es waren 4.165 Käufer:innen und Verkäufer:innen auf der Plattform registriert, und während der Messe wurden 31.100 Titel verkauft. Insgesamt gibt es bereits rund 400.000 Titel.

Wir haben auch das Matchmaking-Tool eingeführt, das nur über die App funktionierte, so dass es vom Desktop aus zu Hause oder im Büro genutzt werden kann. 2.388 Fachleute haben an diesem Tool teilgenommen, es gab 9.542 Kontaktanfragen und 3.153 Treffer wurden registriert.

Das 70-stündige Fachprogramm wurde live übertragen und umfasste Vorträge, von uns moderierte Netzwerktreffen sowie Treffen in der Bar des Frankfurter HOF, wo sich die angemeldeten Teilnehmer:innen am Abend zu einem Drink und informellen Gesprächen treffen. Wir alle wissen, dass Geschäfte nicht nur in formellen Meetings gemacht werden.

Die Registrierung für die digitalen Veranstaltungen war dank der Unterstützung der deutschen Regierung kostenlos. Dies war sicherlich ein großer Anreiz für Fachleute, die sich dies bisher nicht leisten konnten. Unter den zehn wichtigsten neuen digitalen Ausstellern im Jahr 2020, die noch nie zuvor auf der Messe waren, befanden sich zum Beispiel Verlage aus Spanien und zwei lateinamerikanischen Ländern.

Die große Herausforderung bei den digitalen Aktivitäten bestand darin, das, was wir an den physischen Veranstaltungen schätzen, wiederherzustellen und zu vermitteln. Einige Dinge funktionieren gut, andere nicht so gut. Der eher technische Teil professioneller Treffen, d.h. die Verhandlung zwischen zwei oder drei Personen, funktioniert ebenfalls digital. Aber wenn wir zum Beispiel Emotionen vermitteln wollen, werden die Dinge komplizierter. Die menschliche Begegnung kann nicht durch eine digitale Plattform ersetzt werden, es sei denn, es gibt bereits eine gemeinsame Basis und die Technologie wird als Kommunikationsmethode eingesetzt. 

Die Digitalisierung bestimmter Plattformen und Prozesse im Zusammenhang mit der Messe wurde als Ergänzung zu einer physischen Messe entwickelt, nicht als Ersatz! 

Wie kam es dazu, dass die größte Buchmesse in einem Land stattfindet, dessen Sprache nicht zu den 10 meistgesprochenen Sprachen der Welt gehört?

Hier gibt es mehrere wichtige Faktoren. Frankfurt hat als Messestandort eine lange Tradition. Er wurde erstmals 1150 erwähnt, damals als „Frankfurter Herbstmesse“. Gehandelt wurde hauptsächlich mit teuren Konsumgütern wie Waffen, Gewürzen und Textilien, aber auch mit allgemeinen Konsumgütern. Die „Herbstmesse“ und die „Frühjahrsmesse“, die 1330 hinzukam, wurden schnell international und universell wichtig.

Die Frankfurter Buchmesse hat eine Tradition von mehr als 500 Jahren. Eine Buchmesse gab es in Frankfurt bereits in der frühen Neuzeit, nachdem Johannes Gutenberg in Mainz, nur wenige Kilometer von der Stadt entfernt, den Buchdruck revolutioniert hatte und die Drucker diese Messe zum Zentrum des Buchhandels machten, der den Manuskripthandel ablöste. Bis zum Ende des 17. Jahrhunderts blieb Frankfurt die zentrale Stadt für Buchmessen in Europa. 

1949, nach der Teilung Deutschlands, gelang es zwei Buchhändlern aus der Stadt, die Tradition der Buchmessen wiederzubeleben. Vom 18. bis 23. September versammelten sich 205 deutsche Aussteller:innen in der Paulskirche. Zur ersten Veranstaltung kamen 14.000 Besucher:innen und es wurden insgesamt 10.000 Titel vorgestellt. Schon bei der nächsten Veranstaltung im Jahr 1950 befanden sich unter den Aussteller:innen auch Verlage aus anderen europäischen Ländern und den USA. Heute kommen 70 % der Aussteller:innen aus dem Ausland.

Frankfurt gilt, wie Peter Weidhaas, Messedirektor von 1975 bis 2000, betonte, international als Vorbild. Er war es, der 1976 das Projekt des Ehrengastes erfand, das nach Lateinamerika ging, eine Idee, die von verschiedenen Messen im Buchsektor und anderen Branchen übernommen wurde. 

Es sollte auch beachtet werden, dass sich Deutschland zu einem der größten Rechtemärkte der Welt entwickelt hat. Ungefähr 50 % der Verlagsproduktion sind Übersetzungen.

Welche Rolle wird Spanien als Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse 2022 spielen?

Spanien wird auf der Messe im Mittelpunkt stehen. Dies wird bei der Pressekonferenz am Dienstagmorgen, 18. Oktober und in der Eröffnungszeremonie am selben Tag um 17:00 Uhr deutlich, bei der sowohl politische Vertreter:innen als auch Schriftsteller:innen sprechen werden. Und natürlich auch bei der feierlichen Eröffnung des Spanien-Pavillons mit seinen mehr als 2.000 Quadratmetern, auf dem sich der Ehrengast in seiner kulturellen Vielfalt präsentiert. Außerdem wird es auch einen Bereich für Aktivitäten mit Schriftsteller:innen und anderen Fachleuten geben. Ab Mittwoch beginnt dann die Messe und die Besucher:innen können auch die Stände der spanischen Aussteller:innen besuchen, die sich in ihrem Pavillon in der Nähe anderer Nachbarländer wie Frankreich, Italien und Portugal sowie der Aussteller:innen aus Lateinamerika befinden.

Die Hauptarbeit des Ehrengastes auf der Messe ist der An- und Verkauf von Rechten. Es ist eine Arbeit über mehrere Jahre, um die Literatur des Gastlandes in möglichst vielen Sprachen zu internationalisieren. Um dieses Ziel zu erreichen, wurden zusätzlich zu den bestehenden Stipendien neue Stipendien für die Übersetzung spanischer Werke eingerichtet und mehrere Treffen zwischen spanischen und internationalen Verleger:innen und Agent:innen abgehalten. 

Außerhalb des Messegeländes wird es in der Stadt Frankfurt viele kulturelle Aktivitäten geben, von literarischen Veranstaltungen, zum Beispiel im Instituto Cervantes, über Theater-, Kino- und Musikveranstaltungen bis hin zu Kunst- und Fotoausstellungen in verschiedenen Museen. 

Wir sprechen jetzt hier nur von den Messetagen und, im Falle von Ausstellungen, von den Monaten rund um die Veranstaltung. In Wirklichkeit begann das spanische Jahr aber bereits am Ende der letzten Frankfurter Buchmesse, als Kanada – der vorherige Ehrengast – den Staffelstab an Spanien weiterreichte. 

Sie haben einmal gesagt, dass ein Ehrengast zu sein weniger ein „Projekt“ als vielmehr ein „Prozess“ ist. Können Sie das näher erläutern?

Projekte haben nach der üblichen Definition einen Anfang und ein Ende. In diesem Fall aber besteht das Hauptziel des Ehrengastes wie gesagt darin, die Zahl der Übersetzungen spanischer Bücher zu erhöhen, und das sollte natürlich kein Ende haben! Wir können sagen, dass dieses Projekt zum Beispiel ein Anreiz ist, die Förderung der Übersetzung beizubehalten oder sogar zu verstärken, indem Autor:innen unterstützt werden, zu Messen zu reisen, wenn ihre Werke im Ausland präsentiert werden, oder Residenzen für Übersetzer:innen in Zusammenarbeit mit verschiedenen Ländern zu unterhalten.

„Ich war selbst überrascht, als ich erfuhr, dass ich die erste in acht Jahrzehnten war!“

Nach 80 Jahren hat die Madrider Buchmesse erstmals eine Frau an der Spitze. Die Journalistin und Schriftstellerin Eva Orúe (Zaragoza, 1962) löst Manuel Gil nach fünf Jahren ab und möchte in ihrem neuen Amt Wandel und Tradition zu verbinden. Wir sprechen mit Eva Orúe über Herausforderungen, Trends und die Zusammenarbeit mit stärker branchenorientierten Messen wie der Frankfurter Buchmesse.

Was halten Sie von diesem Termin?

Ich bin irgendwo zwischen aufgeregt und überwältigt. Es war ein Traum, jetzt ist es eine Herausforderung und nach dem glamourösen Moment der Wahl kommt der Moment der Wahrheit. Es gibt viel zu tun und es muss gut gemacht werden. Die Verantwortung ist enorm, die Erwartungen sind sehr hoch. Es klingt wie ein Klischee, aber so ist es: Ich hoffe, dass ich ihm gerecht werden kann.

Wie erklären Sie sich, dass es in einem Land, in dem Frauen mehr lesen als Männer und in dem es viele von Frauen geführte Verlage gibt, 80 Jahre gedauert hat, bis eine Frau die Madrider Buchmesse leitet?

Ich war selbst überrascht zu erfahren, dass ich der erste in acht Jahrzehnten war! Ich gestehe, dass ich nie gedacht hätte, dass das Syntagma „erste Frau, die“ jemals mit meinem Namen in Verbindung gebracht werden würde – ich komme ja aus Bereichen wie Journalismus, Kommunikation, Verlagsförderung, Kulturmanagement, in denen Frauen in der Mehrheit sind. Die Madrider Buchhändlerinnung selbst hatte bereits eine weibliche Präsidentin. Erklärungen? Die üblichen. Aber ich kann Ihnen sagen, dass das Überwinden von Barrieren in meinem Alter ein weiterer Ansporn ist… und dass es noch viele weitere zu überwinden gibt, einige davon liegen in meiner Verantwortung, andere in der Verantwortung aller.

Was werden Sie von der Madrider Buchmesse behalten?

Die Madrider Buchmesse ist eine kommerzielle und populäre Erfolgsgeschichte: Die Verkaufszahlen und die große Publikumspräsenz mit mehr als zwei Millionen Besucher:innen machen sie zu einem einzigartigen Publikumsereignis. Die Veranstaltung ist für den Buchhandel aufgrund des großen Geschäftsvolumens und für die literarische Gemeinschaft, die im Retiro-Park die Autor:innen trifft, die sie bereits gelesen haben, von großer Bedeutung. Dieser doppelte Aspekt ist wesentlich.

Was wird sich ändern?

Die Unterstützung der Bevölkerung, der kommerzielle Erfolg, der Schub können von einem größeren kulturellen Ehrgeiz profitieren. Wenn man die Messe erlebt, wenn man die Fotoalben durchblättert, ist man erstaunt, wie viele Talente in diesen Tagen konzentriert sind; wir müssen sie besser nutzen. Wir möchten auch, dass die Messe das ganze Jahr über ein Bezugspunkt ist und all jene erreicht, die uns aus verschiedenen Gründen nicht besuchen. Natürlich müssen wir Fortschritte bei der Nachhaltigkeit, der Vielfalt und auch bei der Internationalisierung machen. Wir werden uns nicht langweilen!

In diesem Jahr arbeiten Sie eng mit einer Gruppe von Buchhändler:innen unter der Leitung von Igor Muñiz von der Librería Muga zusammen. Was erwarten Sie von dieser Zusammenarbeit und wie wird sie auf der Madrider Buchmesse zu spüren sein?

Von Igor, dessen Arbeit bei Muga lobenswert ist, und von den anderen Buchhändler:innen, Verleger:innen und Vertreiber:innen, die sich intensiver mit der Organisation der Messe befassen werden, erwarte ich Rat, Hilfe und Unterstützung. Wir haben vorhin über meinen Status als „erste Frau“ gesprochen; auch mein berufliches Profil unterscheidet sich von dem der früheren Direktoren. Ich glaube, dass sie mich ausgewählt haben, weil sie sich der Notwendigkeit bewusst sind, die Messe zu verbessern, zu verändern, sie traditionsgetreu und gleichzeitig anders zu gestalten, und weil sie darauf vertrauen, dass eine andere Biografie und ein anderer Hintergrund als der meiner Vorgänger den Weg des Wandels erleichtern wird.

Frankfurt ist eine andere Art von Messe als Madrid oder Liber. Denken Sie daran, sich in irgendeiner Weise an diese Art von branchenorientierten Messen anzunähern?

Jede Messe hat ihre Eigenheiten, und das ist auch gut so, denn sie sind unvergleichlich. Aber in einer globalisierten Welt, in der die Vernetzung die Norm ist, wäre es unverantwortlich, die Möglichkeiten der Zusammenarbeit nicht zu nutzen. Wie? Ich habe mich noch nicht in meinem neuen Büro niedergelassen, ich bin nicht in der Lage, mehr zu sagen, aber ich möchte auf jeden Fall feste Verbindungen zu diesen und anderen Buchmessen knüpfen – ich denke insbesondere an die FIL und andere lateinamerikanische Messen.

Was nehmen Sie aus dem Journalismus und der Kommunikation mit, das Ihnen in dieser neuen Position helfen wird?

Vom Journalismus das Adrenalin der großen Momente, der gewissenhaften Arbeit und den Kontakten. Ich hoffe, dass es sehr nützlich sein wird, über vierzig Jahre in so vielen Medien gearbeitet zu haben, in einem Beruf, der mir so viel gegeben hat und dem ich so viel gegeben habe. Von der Kommunikation die Überzeugung, dass nichts ist, wenn es nicht bekannt gemacht wird. Und dass die Messe ein enormes Potenzial hat, sie ist der beste Lautsprecher, das beste Schaufenster für die Welt und die Menschen des Buches. Wir müssen ihre Exzellenz in alle vier Winde schreien und zeigen, wie viel Gutes sie zu bieten hat!

Wie bewerten Sie außerliterarische Formate wie Hörbücher und audiovisuelle Werke, die auf Büchern basieren? Die Grenzen zwischen den Formaten verschwimmen immer mehr, und Franchises springen von den Seiten oder Comics auf die Leinwand.

Für mich hat das Lesen eine Komponente des Erinnerns und der Abstraktion, die bei manchen Formaten nicht möglich ist; ich lese jedoch auch in elektronischer Form und habe schon einige Ausflüge zum „Lesen“ von Hörbüchern gemacht. Ich glaube gerne, dass die Leser:innen am Ende zum Papier greifen, aber ich kann nicht ignorieren, dass es Menschen gibt, die sich aus Gründen der Nützlichkeit, der Bequemlichkeit und der Vertrautheit für andere Formen des Lesens entscheiden.

Was die audiovisuellen Werke auf der Grundlage von Büchern betrifft, so ist die Geschichte der Kultur die Geschichte des Recyclings, und die Kreislaufwirtschaft hat einen glorreichen Präzedenzfall im künstlerischen Schaffen. Es gibt Handlungen, die vom Papier auf den Bildschirm wandern, und jetzt gibt es auch Geschichten, die den umgekehrten Weg gehen: Sie werden audiovisuell geboren und landen auf den Seiten. Nichts sollte uns überraschen, geschweige denn schockieren. Allerdings lese ich in der Vorstellung, dass lange bevor ich meine Lampe anzündete und mich in meinem Sessel niederließ, sich jemand zeitlich weit entferntes oder zeitgenössisches vor den Seiten oder vor dem Computer versammelte, um etwas zu schreiben, das streng an mich denkt.

Wir machen einen Schnelltest: Ein Ort zum Lesen?
Mein Ruhesessel.

Das Buch, das Sie am häufigsten gelesen haben?

Der Zauberberg von Thomas Mann, wahrscheinlich weil ich weiß, dass ich es weder beim ersten noch beim zweiten Mal verstanden habe…

Was kann man auf der Madrider Buchmesse zu tun, ohne ein Buch zu kaufen?
Schlendern Sie herum, lassen Sie sich berieseln. Treffen Sie sich mit Freunden, plaudern. Und kommen Sie natürlich wieder!

Eine Erinnerung an einen Buchhändler und eine Autorin während der Messe?
Ich teile zwei. Ein befreundeter Verleger, Jesús Egido von Reino de Cordelia, packte jedes Mal, wenn er ein Buch verkauft hatte, einen ausgestopften Hahn am Nacken und krähte vor Zufriedenheit – denn die Messe ist Freude. Und dann die engagierte, fast wütende Leistung von Schriftsteller:innen, die ihre Handgelenke stundenlang in den Händen halten, um zu unterschreiben. Und Almudena Grandes, die sich unermüdlich um ihren Stand kümmerte, der sie alle umfasste.

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