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Spanien stellt seine 2.000 Quadratmeter #SprühenderKreativität in Frankfurt vor

Es sind weniger als vier Monate bis zum Beginn der Frankfurter Buchmesse wo Spanien als Ehrengast seine ganze #SprühendeKreativität entfalten wird. Am 22. Juni stellten Elvira Marco, Projektleiterin, und Isabel Izquierdo, Programmdirektorin der Acción Cultural Española (AC/E), den Entwurf des Pavillons und das literarische, fachliche und kulturelle Programm vor, das an verschiedenen Orten Deutschlands stattfinden wird.

Auch die Schriftstellerinnen Elia Barceló und Elena Medel nahmen stellvertretend für die fast 200 Autoren teil, die sich am literarischen Programm der Messe im kommenden Oktober beteiligen werden. Rocío Pina vom Enorme Studio war für die Präsentation und Entwicklung der Theorie der Kirschen verantwortlich, die das Design der 2.000 Quadratmeter des spanischen Pavillons inspiriert hat.

Ferran Ferrando, Direktor des Instituto Cervantes in Frankfurt, das sich in dem denkmalgeschützten Gebäude befindet in dem die Veranstaltung stattfand, begrüßte alle Anwesenden und eröffnete die Veranstaltung. In ihrer Rede versicherte Elvira Marco, dass auf der Frankfurter Buchmesse, die vom 19. bis 23. Oktober stattfindet, die renommiertesten Stimmen der aktuellen spanischen Literatur vertreten sein werden. Rund 200 Autoren, Übersetzer und Vertreter der Buchbranche werden „ein kreatives und dynamisches Spanien zeigen, das sich auf neue Themen konzentriert, von der Veränderung der Geschlechterrollen und der Familie bis hin zu lebendigen Porträts des urbanen Lebens in den spanischen Städten, der Landflucht sowie Überlegungen zur Vergangenheit, dem Einsatz von Technologie und dem Klimawandel“, sagte sie und betonte, dass es darum gehe, das zeitgenössische Spanien vorzustellen.

„Und wir werden das tun“, so Marco, „mittels ein breit gefächertes Programm mit einem vielfältigen und ausgewogenen Angebot an Autoren, das sich auf die Mehrsprachigkeit und die Bedeutung des Spanischen als Brücke zu Lateinamerika konzentriert“.

Spaniens #SprühendeKreativität wird aber nicht nur auf der Frankfurter Buchmesse anwesend sein, sondern dank der 200 geplanten kulturellen Veranstaltungen das ganze Jahr über in Deutschland zu spüren sein. Ob Theater, Tanz oder Flamenco, Film, Fotografie, bildende Kunst oder eigens für ihre Präsentation konzipierte Publikationen,  das Kulturprogramm wird ein Schaufenster des zeitgenössischen spanischen Schaffens sein. 

Dieses Kulturprogramm, für das die Acción Cultural Española (AC/E) verantwortlich ist, zeichnet sich durch eine große Vielfalt an Genres und Formaten aus. Isabel Izquierdo, die Programmdirektorin des AC/E, nannte einige klare Beispiele dafür: „Von den künstlerischen Angeboten von Esther Ferrer in den Opelvillen Rüsselsheim, der retrospektiven Ausstellung von Carlos Pérez Siquier im Fotografie Forum Frankfurt, den Zwölf Geschichten über spanische zeitgenössiche Kunst im Frankfurter Kunstverein, der Installation Vórtice von Alicia Martín in diesem Cervantes-Institut bis hin zur Unterstützung der spanischen Künstler, die von der Documenta in Kassel eingeladen wurden und verschiedene deutsche Städte besuchen werden“. Sie verwies auch auf die Aufführungen von El Niño de Elche im Frankfurter Künstlerhaus Mousonturm und die der Compañía Nacional de Danza in Bonn. „Es wird sogar eine Präsentation eines monographischen Bandes der Zeitschrift Granta mit einer Erzählung auf Spanisch und einem Comic mit hervorragenden Geschichten geben…“, schloss sie.

Dann war Rocío Pina von Enorme Studio an der Reihe, die die ersten Bilder des 2.000 Quadratmeter großen Pavillons zeigte. Der von Enorme + Vitamin entworfene Raum wird fünf Tage lang das Zentrum der Aufmerksamkeit für den weltweiten Kultur- und Verlagssektor sein. Carmen Martín Gaite war die Inspirationsquelle für die Architekten, interaktiven Designer, Grafiker und Schriftsteller, die das Projekt entwickelt haben. „Wir glauben, dass gutes Design von vielfältigen und multidisziplinären Teams erzeugt wird“, so Pina.

In ihrem Buch El cuento de nunca acabar stellt Martín Gaite fest, dass beim Erzählen immer dasselbe geschieht wie beim Kirschenessen, dass einige Geschichten mit anderen verwoben sind und wir zwei oder drei mehr in den Mund nehmen, als wir denken. Bücher, so pflegte sie zu sagen, sind die guten Freunde, die uns mit anderen guten Freunden bekannt machen, so wie es auch in Frankfurt der Fall sein soll. Der Spanien-Pavillon wird wie ein Korb voller Kirschen sein, in dem einige Geschichten uns zu anderen führen, ein Roman zu einem Comic, ein Comic zu einem Gedicht, ein Gedicht zu einem Videospiel, ein Videospiel zu einem Film, ein Film zu einem Essay, ein Essay zu einer Biografie, eine Biografie wiederum zu einem Roman… und so werden wir von Format zu Format unsere #SprühendeKreativität bereisen.

Die Theorie der Kirschen verwandelt die 2.000 Quadratmeter des Pavillons in ein lebendiges Wörterbuch, das wie ein Hypertext Wörter, Sprachen und Geschichten miteinander verbindet. Laut Pina sind es die Handlungen der Besucher, die dafür verantwortlich sind, dass sich „der Inhalt des Raums jeden Tag verändert, wie ein Thermometer der Gedanken“. Dank künstlicher Intelligenz und verschiedener interaktiver Stationen „bilden gehörte, geschriebene und in Farben umgewandelte Worte die innere Landschaft des Pavillons“, sagte sie. Das Hauptelement des Pavillons sind die Kirschen, drei Kapseln, die verschiedene Szenarien bilden; aber es gibt auch Platz für zwei Auditorien, einen Happy-Hour-Bereich und einen Workshop-Bereich. „Wir wollen die Farbe Rosa als Gelegenheit nutzen, um neue Fantasien zu entwickeln“, sagte Rocío Pina. „Wir wollen uns amüsieren, spielen und uns in besonderen Räumen vergnügen“.

Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, nahm ebenfalls an der Präsentation teil und sagte voraus, dass alle, die die Messe im Oktober besuchen, „die vielfältige spanische Verlagsszene entdecken können. Denn neben den großen Verlagen werden auch viele kleine und mittlere Verlage ihre Neuerscheinungen vorstellen“. Nicht zu vergessen sei, dass „das Programm des spanischen Ehrengastes die mehrsprachige und vielstimmige Literatur und Kultur des heutigen Spaniens widerspiegelt“, betonte er. „Ich bin sicher, dass die Besucher des Pavillons Literatur und Autoren in einer Atmosphäre voller #SprühenderKreativität genießen werden“.

Elia Barceló und Elena Medel, zwei der Schriftstellerinnen, die Teil dieses starken literarischen Programms sind, waren nach Frankfurt gereist, um die Dutzenden von Autoren zu vertreten, die vom 19. bis 23. Oktober an der Messe teilnehmen werden. Von der Belletristik über Sachbücher, Lyrik und Graphic Novels bis hin zur Kinder- und Jugendliteratur wird die ganze Vielfalt der Genres vertreten sein. So auch bei dieser Pressekonferenz.

Die beiden Schriftstellerinnen führten ein lebhaftes Gespräch mit dem Direktor der Frankfurter Buchmesse. Elia Barceló, die als eine der vielseitigsten Schriftstellerinnen der spanischen Literaturszene gilt, hat Werke und Auszeichnungen in mehreren Genres. Sie hat mehr als dreißig Romane veröffentlicht, sowohl für Erwachsene als auch für junge Leser – 2020 wurde sie mit dem Nationalen Preis für Kinder- und Jugendliteratur ausgezeichnet – und wurde in zwanzig Sprachen übersetzt, darunter auch ins Deutsche.

Die aus Alicante stammende und in Österreich lebende Schriftstellerin erklärte, sie sei „begeistert an diesem Wunder teilzunehmen, das diese Messe bedeutet“. „Ich möchte im nächsten Oktober voller Projekte, Spiele und Lächeln nach Hause zurückkehren“, fügte sie hinzu. Barceló ist der Ansicht, dass Deutschland ein Vorreiter bei der Förderung sozialer Formen des Literaturgenusses öffentliche Lesungen und Buchclubs – war und dass Spanien nun in seine Fußstapfen tritt. „Die Arbeit von Buchhändler:innen und Bibliothekar:innen hat sich als entscheidend dafür erwiesen, das Lesen aus der begrenzten privaten Sphäre herauszuholen und die Werke mit den Meinungen und Debatten der Öffentlichkeit zu bereichern. Die Literatur wird vom Spektakel angesteckt und wird somit zu einem gesellschaftlichen Ereignis. Die Lesegewohnheiten ändern sich“, schloss sie.

Die Dichterin und Essayistin Elena Medel erzielte einen großen literarischen Erfolg, als sie 2020 ihren ersten Roman Las maravillas veröffentlichte, der bereits in 15 Sprachen, darunter auch ins Deutsche, übersetzt wird. Im Alter von 19 Jahren gründete sie ihren eigenen Lyrikverlag, La Bella Varsovia, und erhielt unter anderem den XXVI. Premio Loewe a la Creación Joven, den Preis der Stiftung Princesa de Girona 2016 in der Kategorie Kunst und Literatur, den Francisco Umbral-Preis für das Buch des Jahres 2020 und das Leonardo-Stipendium für Forscher und Kulturschaffende 2021 der Stiftung BBVA.

Während des Treffens beschrieb Medel die Poesie als „den Ausdruck, der die Lunte für den Rest der Literatur entzündet; dort entstehen die Geschichten, aus denen die Erzählung geboren wird. Deshalb fällt es mir auf, wenn man von der Lyrik als einer Minderheitengattung spricht. Meiner Meinung nach handelt es sich um das umfangreichste Genre in der Schöpfung der Literatur“. Jürgen Boos zeigte sich überrascht und erstaunt über die Kraft der spanischen Dichtung: „In Deutschland werden jährlich nur 800 Gedichtbände veröffentlicht, in Spanien rund 15.000“, sagte er.

„Die Oktobermesse macht mich neugierig und ich möchte sie zum Anlass nehmen, weiter zu entdecken“, so Medel. „Die Neugierde, erst zu entdecken und dann zu wissen. Das ist es, was mich bewegt, wenn ich das Werk konzipiere, an dem ich als Autorin arbeite, oder wenn ich als Verlegerin an ein Manuskript herangehe, oder noch besser, wenn ich zum Vergnügen und, wieder einmal, aus Neugierde lese. Das wünsche ich denjenigen, die nach Frankfurt kommen, um an den Aktivitäten der spanischen Delegation teilzunehmen, und denjenigen, die in den kommenden Monaten die deutschen Übersetzungen unserer Werke lesen: Neugierde, Freude am Entdecken und Lernen“, schloss sie.