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Vom spanischen Künstler zum amerikanischen Comicsuperhelden

Von Spanien bis zu den Vereinigten Staaten: Ihre Namen erklingen seit Jahrzehnten im Mekka der amerikanischen Comic-Industrie. Sie tragen keine Umhänge oder Masken, aber sie haben zweifellos Superkräfte. Sie sind die wahren Talente hinter Batman, Daredevil, Spiderman, Deadpool, Wonder Woman und Captain Marvel. Ob Rafael López Espí oder Carlos Pacheco, Salva Espín, Carmen Carnero oder Jorge Fornés, die Illustrationen spanischer Künstler leben hinter jedem Schatten und jeder Inspiration, die von Gotham City, Metropolis oder Star City ausgehen.

Um diese Idylle zu verstehen, müssen wir zunächst in die 1970er Jahre zurückkehren, als Rafael López Espí der offizielle Marvel-Coverzeichner in Spanien wurde. Aus seiner Hand stammen die ersten Covers dieser Superhelden, die in angepasster Form und in voller Farbe bei Vértice in Spanien veröffentlicht wurden. Aber die erste große Explosion fand in den 1990er Jahren statt. Namen wie Jesús Merino, Carlos Pacheco – der für Marvel und DC gearbeitet und Flash, X-Men, Superman, Batman und Green Lantern zum Leben erweckt hat –, Pasqual Ferry, Salvador Larroca – der erste spanische Comiczeichner, der den Eisner-Preis für Iron Man gewann – und Marcos Martín – Dr. Strange und Daredevil – tauchten bereits auf.

Die Liste ist lang und das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts kam eher wie eine Bestätigung. Ramón F. Bachs erweckte mit dem Joker/Maske-Crossover Batman zum Leben, während der preisgekrönte David Aja mit X-Men, Pepe Larraz mit Luke Cage (Thor und die Avengers sollten später folgen), Daniel Acuña mit Green Lantern und Flash und Fernando Dagnino mit Superman auftraten. 

Das war auch die Zeit, als ein noch unbekannter Salva Espín seine Werke auf dem Salón del Cómic de Barcelona vorstellte. Mehr als ein Jahrzehnt später ist seine Arbeit mit dem Hulk, Wolverine, Captain America und vor allem mit dem größten Hooligan von allen, dem ikonischen Deadpool, wohlbekannt. Wie bei Espín gehen auch die Anfänge von Alex Cal Oliveira, besser bekannt als ACO, auf diese Zeit zurück: 2007 begann er im Alter von nur 22 Jahren auf dem US-Markt mit Figuren wie Batman, Wonder Woman, Spiderman, X-Men und Nick Fury zu arbeiten.

Von Spanien nach Gotham City

Es gibt Geschichten, wie bei den Superhelden, in allen Formen, Farben und Größen. So wie die des Illustrators Jorge Fornés, der 2014 beschloss, seinen Job in einer Autowerkstatt aufzugeben, um sich ganz der Illustration zu widmen. Es ist gar nicht so schlecht gelaufen: Nachts Batman, tagsüber Daredevil, ist dieser professionelle, autodidaktische Zeichner, der meist an der Seite des Comic-Autors Tom King arbeitet, heute einer der bedeutendsten Künstler der nordamerikanischen Comicszene.

Wie Fornés hatte auch Mikel Janin aus Navarra mit King zusammengearbeitet, um den Helden von Gotham City zum Leben zu erwecken, was ihn 2018 dazu brachte, die Hauptgeschichte von Batman: Die Hochzeit zu illustrieren, den Wendepunkt im Leben des Protagonisten. Von Beruf Architekt, gab der Künstler seine Karriere 2010 auf, um sich der Comic-Branche zu widmen, wo er seit 2011 bei DC an anderen Titeln wie Justice League, Grayson und Superman arbeitet.

Und Tatsache ist, dass Gotham City, ebenso wie Ungerechtigkeiten in der Fiktion, den spanischen Künstlern große Freude gebracht hat. Dies ist der Fall bei Guillem March, der nicht nur Catwoman illustriert hat, sondern auch Batman. Ebenfalls haben sich andere Spanier hinter Bruce Wayne gestellt, wie z. B. Jorge Jiménez, Autor von Superman u. a., oder Belén Ortega, die diese emblematische Figur in der Reihe Legends of the Dark Knight porträtierte. Die in Granada geborene Künstlerin, die ihre berufliche Laufbahn in der Welt der Mangas begann, überraschte vor kurzem mit der Zeichnung des ersten bisexuellen Robins in der Geschichte des Comics und war gleichermaßen für das Cover des 80-jährigen Jubiläums von Wonder Woman verantwortlich. 

In einer Branche mit einem so rasanten Tempo wie die der Superhelden-Comics, ist es üblich, dass mehrere Zeichner mit denselben Figuren zusammenarbeiten. Javier Garron, der seit einigen Jahren als eine der vielversprechendsten Figuren bei Marvel gilt und eine Zeit lang für eine der wichtigsten Serien des Verlags verantwortlich war, Miles Morales: Spiderman, übergab 2020 den Staffelstab an eine andere Spanierin, Carmen Carnero. Diese junge Frau, die für einige der Illustrationen von Wonder Woman, X-Men und The Punisher bekannt ist, war auch Captain Marvel, kurz vor der Verfilmung mit Brie Larson in der Hauptrolle im Jahr 2019. Nun ist seit einigen Monaten an Stan Lees Neuauflage von Captain America, einem weiteren großen Marvel-Symbol, beteiligt.

Neben Carnero hat eine weitere Spanierin, Natacha Bustos, in den letzten Jahren das Interesse der amerikanischen Industrie auf sich gezogen. Diplom in Bildender Kunst in Granada, debütierte sie mit einer Graphic Novel über Tschernobyl, die ins Französische, Japanische und Koreanische übersetzt wurde. Durch ihre Mitwirkung in Ausgabe 10 der regulären Spider-Woman-Serie wurde Marvel auf sie aufmerksam und beauftragte sie mit der Arbeit an dem Projekt Moon Girl and Devil Dinosaur, das beim Publikum gut ankam und dessen Adaption noch in diesem Jahr als Fernsehserie ausgestrahlt werden soll.